Schlagwort-Archive: Siebenbürgische Küche

Klausenburger Kraut – Sauerkrautauflauf siebenbürgisch

„Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut,
Holdselig sind deine Gerüche!“ (Heinrich Heine)

Heine muss ein Gourmet gewesen sein. Auch wenn der Geruch nach Sauerkraut heute nicht mehr so ganz in die (Designer)Küchen zu passen scheint – ich bin ein Fan von (selbst eingelegten) Sauerkraut und esse es am liebsten roh, als Salat, mit einem Schuss Olivenöl und frischem gemahlenem Pfeffer. Roh, d. h. ungekocht bzw. nicht pasteurisiert, ist es am gesündesten, denn nur dann bleiben die probiotischen Mikroorganismen am Leben.

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Klausenburger Kraut mit Polentakruste

Eine einfache und äußerst schmackhafte Zubereitungsform ist das sogenannte „Klausenburger Kraut“, ein fester Bestandteil der traditionellen siebenbürgischen Küche. Es existieren unzählige regionale Varianten davon und auch in Ungarn kennt man es unter dem Namen: „Kolozsvari Kaposzta“. Benannt ist dieser Auflauf nach der Stadt Klausenburg (Cluj-Napoca/Kolozsvár), die im Nordwesten Rumäniens liegt.

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Orangen-Buchteln

Von (guten) Orangen kann ich nicht genug kriegen, deswegen hier eine weitere Variation: Buchteln mit Orangenschale im Teig und einer Füllung aus selbstgemachter Orangenmarmelade mit Vanille. Dieses Hefegebäck stammt ursprünglich aus Böhmen und wurde traditionell mit Pflaumenmus gefüllt. So kenne ich das Rezept auch „von Muttern“, doch das „Experiment orange“ hat sich gelohnt…..

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Teufelskuchen oder „Draculas Liebe“

Nein, ich bin nicht dem Vampire-Hype verfallen; ja, ich bin in „Transsilvanien“ geboren, dort wo das historische Vorbild Draculas sein Unwesen trieb. Und ich habe ihn gesehen, fast täglich, schon morgens um halb acht, im Flur der Grundschule, direkt neben meinem damaligen Klassenzimmer. Dort hing nämlich das Konterfei des düsteren Fürsten Vlad III, Draculea, auch Vlad Tepes genannt. Von Bram Stoker, Vampirfilmen oder gar „Dracula“ war zu dieser Zeit allerdings noch keine Rede….

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Was bitte, ist eine „Kletitte“?

Im Sommerurlaub beim Schlendern durch Hermannstadt (Sibiu) entdeckt: Eine Bude, die „Kletitten“ (rumänisch: Clatite) feil bot. Hinter der (für Nichtkenner) etwas „schrägen“  Bezeichnung verbergen sich feine, dünne Pfannkuchen, frisch gebacken und aufgerollt, mit süßer oder pikanter Füllung. Was bitte, ist eine „Kletitte“? weiterlesen

Was vom Teige übrig blieb: Suppenstrudel siebenbürgisch

Suppen sind „soulfood“, das war schon so, bevor es den neudeutschen Begriff dafür gab.  Wenn es mir schlecht ging, half eine gute „Strudelsuppe“. Das Rezept für die Suppenzubereitung habe ich bereits an anderer Stelle beschrieben, hier geht es um die „Strudel“, die nicht umsonst so heißen wie ihre „großen Brüder“ (Apfelstrudel, Topfenstrudel usw.).  Was vom Teige übrig blieb: Suppenstrudel siebenbürgisch weiterlesen

Tafelspitz für Sissi

Bei den niedrigen Außentemperaturen hatte ich gestern mal wieder Lust auf ein „Süppchen“.  Diesmal sollte es nicht nur eine Brühe geben, sondern auch das „Suppenfleisch“ – der Tafelspitz – musste als Hauptgericht zum Einsatz kommen. Nun ist gekochtes Fleisch oft mit der Assoziation von Krankenhaus-Kost behaftet; blasse, trockene „Lappen“, wenn man Glück hat mit irgendeiner Soße, die das Hinunterschlucken erleichtert. Genuss ist anders. Aber zum Glück ist das nur ein Vorurteil, denn der Tafelspitz – und dabei handelt es sich um Siedfleisch – belehrt uns eines Besseren. Tafelspitz für Sissi weiterlesen

Ausziehen, bitte – Strudelteig für Fortgeschrittene

Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus meiner „Anfangszeit“ in Deutschland. Wir (meine Familie und ich) waren in einem Übergangswohnheim im Schwäbischen untergebracht. Zusammen mit anderen Spätaussiedlern teilten wir uns die Küche. An eine Großfamilie aus einem kleinen Dorf im Banat denke ich gerne, besonders an die „Oma“, eine rundliche, handfeste Siebzigjährige. Eines Tages – ich kam aus der Schule – war die Gemeinschaftsküche abgeschlossen.

Durch das Glasfenster in der Küchentür spähte ich hinein und sah die Oma zusammengesunken auf einem Stuhl sitzen. Auf mein Klopfen sprang sie auf um mir zu öffnen. Ich traute meinen Augen nicht: Der Esstisch, der Platz für mindestens 10 Personen bot, war bedeckt mit einer hauchdünnen, goldgelben „Tischdecke“ aus  – Strudelteig. Sie musste Stunden damit verbracht haben, dieses Kunstwerk herzustellen… . Ausziehen, bitte – Strudelteig für Fortgeschrittene weiterlesen

Wirsing mit Wuzerl oder Schupfnudeln

Manche Gerichte – wie Wirsing mit Wuzerl – entstehen eher durch Zufall. Ich wollte eigentlich eine Wirsing-Kartoffelroulade nachkochen, hatte aber kein Rezept…  Also war Improvisieren angesagt.

Wirsing, die eleganteste unter den Kohlarten, hat 31 Kilokalorien pro 100 g, enthält wie alle Kohlsorten reichlich Senföle, doppelt so viel Eiweiß, Fette,  Eisen und Phosphor wie Weiß- oder Rotkohl, außerdem  mehrere B-Vitamine und Vitamin C. Das perfekte (Winter)gemüse!

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Marquise de Pompadour und die siebenbürgischen Primärtugenden …

Meine Consommé mit Suppenstrudel hat eine lange Tradition.

„Die Liebe eines Mannes wird im Bett gewonnen und bei Tisch erhalten…“
(Marquise de Pompadour, 1721-1764)

…so hat es meine Oma zwar nicht ausgedrückt, aber so ähnlich wohl gemeint: Die siebenbürgisch-sächsische Frau sollte bestimmte Tugenden besitzen (oder Land – Anmerkung der Autorin), damit sie überhaupt für den Heiratsmarkt in Frage kommt. Ist es ihr gelungen, ein Mannsbild für sich zu begeistern und gipfelt diese Begeisterung gar in einer Hochzeit, zeigen sich die wahren Fähigkeiten der Frau (heute würden wir „Kernkompetenzen“ sagen). Denn ab da liegt es primär an ihr, wenn der (Ehe)-Mann erst „fremdschläft“ und dann „fremdisst“ –  oder war die Reihenfolge umgekehrt?

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Ganz einfach: Grießklößchen

Die Zubereitung von Suppeneinlagen aller Art habe ich bis vor nicht allzu langer Zeit meiner Mutter und meinem Vater (!) überlassen, also kamen die Grießklößchen für die klaren Suppen aus Köln, portionsweise abgepackt. Bei Mama gibt es Rezepte für eine harte und eine weiche Variante, die harten Klößchen haben neben Grieß auch einen Anteil Semmelbrösel, die weichen bestehen nur aus Weichweizengrieß. Ich mag die Harten lieber – doch sie  sind leider  unansehnlicher (gräulich, durch die Semmelbrösel) als ihre weichen Brüder und ich habe  schon Klößchen über den Tisch fliegen sehen…, wenn ihnen mit dem Löffel nicht beizukommen war.
Es musste demnach eine Variante her, Ganz einfach: Grießklößchen weiterlesen